ÖKUMENISCHES ZENTRUM VAIHINGEN
Energetische Sanierung einer Dachterrasse im Betrieb
Das in den 70er Jahren errichtete ökumenische Zentrum am Universitäts-Campus Vaihingen dient als Treffpunkt für Studierende und Mitarbeitende der angrenzenden Institute. Nach jahrelanger Nutzung stand die technische sowie energetische Sanierung der Dachterrasse an. Diese Chance wurde genutzt, um in einem partizipativen Entwurfsprozess gemeinsam mit den Nutzenden den Bestand auch darüber hinaus zu verbessern.
Das Ökumenische Zentrum auf dem Universitätscampus Vaihingen wurde von der katholischen und evangelischen Kirche gemeinsam konzipiert, erbaut und und seit der Eröffnung 1978 betrieben.
Das Gebäude enthält Seminar- und Wohnräume sowie ein gut besuchtes Café im Erdgeschoss. Zudem ist es einer der Standorte der Stuttgarter Hochschulseelsorge.
Partizipation und Sanierung
Da die Dachterrasse für die Nutzung des Gebäudes von wesentlicher Bedeutung ist, war es ein zentrales Anliegen, die Stimmen der Nutzenden im Entwurfsprozess abzubilden. Dazu wurde in einem gemeinsamen Workshop ideell, aber auch konkret räumlich ausgelotet, was die Terrasse ist und was sie in Zukunft werden kann. Neben dem Wunsch nach einem verbesserten Sonnenschutz und Flächen zum Gärtnern waren auch Anforderungen an die funktionale Trennung, mehr Sichtbarkeit auf dem Campus sowie die Notwendigkeit eines Wasseranschlusses Teil der Workshopergebnisse. Hierbei wurde schnell klar, dass die Terrasse in Zukunft viele Funktionen abbilden soll: Neben Vorträgen, Ausstellungen und Filmvorführungen soll sie auch Raum zum Gärtnern sowie Meditieren bieten und zudem jeden Tag für die Besuchenden des Cafés im Erdgeschoss geöffnet sein.
Nach dem Workshop wurden die Ergebnisse aufbereitet und die Entwürfe der Nutzenden weiter ausgearbeitet. Dabei entstand ein Konzept, das die Terrasse in Bereiche für „leise“ und „laute“ Nutzungen aufteilt. Die leisen Funktionen (Gärtnern, Vorträge, Meditation) wurden in Richtung der Wohnräume im Obergeschoss, die lauten Funktionen (Veranstaltungen, Ausstellungen, Café-Betrieb) in Richtung des Campus verortet.
Um den Nutzenden einen räumlichen Anhaltspunkt für die Umsetzung der gewünschten Funktionen auf dem Dach zu bieten, wurde die gesamte Fläche mit einem Gerüst aus Theatertraversen überspannt. Neben Sonnensegeln könnte zwischen den Traversen z.B. eine Leinwand für Projektionen, Vorhänge zur räumlichen Trennung oder Kunstwerke aufgehängt werden. Es wurde nicht versucht, alle Nutzungen abzubilden, sondern möglichst viele zukünftigen Nutzungen niederschwellig möglich zu machen.
Bei der Konstruktion wurde auf maximale Energieeffizient, die Zirkularität der eingesetzten Materialien und die Reduktion der grauen Energie geachtet. Um die Brandschutzanforderungen zu erfüllen, wurde ein Schaumglas-Kompaktdach errichtet. Auf diesen extrem dauerhaften Dämmstoff wurde eine lose verlegte, weichmacher-freie Folienabdichtung gelegt. Da der Lebenszyklus der Abdichtung kürzer als der der Dämmung ist, kann diese in Zukunft einfach ausgetauscht und recycelt werden, während der Dämmstoff bestehen bleibt. Auf der Abdichtung wurden neben intensiven Gründachaufbauten mit mindestens 20cm Substrathöhe auch Bestandsziegel wiederverwendet. Diese wurden nach der Demontage des Dachaufbaus vor Ort gelagert und nach Abschluss der Abdichtungsarbeiten wieder als Belag aufgebracht. Dadurch konnten nicht nur Ressourcen gespart, sondern auch ein Stück Identität des Hauses erhalten bleiben.
Im Frühjahr 2025 wurde die Dachterrasse an die Nutzenden übergeben. Erst durch deren Aneignung wird die Fläche belebt und mit der vollständigen Begrünung zukünftig ihre volle Qualität entfalten.
Fotos: Stefan Hohloch
