CHARLOTTEN-HOCHHAUS
Sanierung einer Büroetage in einem 60er-Jahre-Hochhaus
Der vorgefundene Ausbau der Büroetage war in großen Teilen bauzeitlich und entsprach in seiner räumlichen Konfiguration nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz. Der Ansatz war daher, mit so wenig Mitteln wie möglich, die Qualitäten des Bestandes herauszuarbeiten und ihn in die heutige Zeit zu transformieren.
Das Hochhaus am Charlottenplatz wurde Ende der 1960er Jahre eröffnet. 2012 fand eine umfassende Fassadensanierung statt.
Seit 2013 begleiten wir verschiedene Maßnahmen im Gebäude: Sanierung der Treppenhäuser, Balkone sowie der Büroräume im 9., 10. und 11. Obergeschoss.
Sanierungsmaßnahmen
Das Gestaltungskonzept setzte konsequent auf die Weiterverwendung vorhandener Strukturen und Materialien. In einer dezidierten Bestandsaufnahme wurden Bauteile identifiziert, die sich für eine hochwertige Wiederverwendung eigneten.
Unter mehreren Schichten aus Teppich und Fliesen kam ein gut erhaltener, schalltechnisch entkoppelter Gussasphalt zum Vorschein. Nachdem die Schadstoffprüfung seine Unbedenklichkeit bestätigte, wurde entschieden, ihn durch Schleifen und Versiegeln als sichtbaren Fertigfußboden zu veredeln. Ein neuer Oberbelag war damit nicht mehr erforderlich – das rohe Material konnte ästhetisch inszeniert werden.
Einen besonderen gestalterischen Reiz bot die Deckenkonstruktion aus Stahlbetonrippen und längs verlaufenden Unterzügen, die sich wie ein Flügel über die Etage spannt. Da diese Rohbaustruktur brandschutztechnisch ertüchtigt werden musste, wurde ein Brandschutz-Spritzputz aufgebracht, der die charakteristische Rippengeometrie weiterhin erlebbar lässt. Der Verzicht auf eine abgehängte Decke schuf zusätzliche Raumhöhe und verstärkt die räumliche Großzügigkeit.
Im Bereich der neuen Klimageräte und Kabeltrassen wurde die Decke gezielt mit Trockenbau verkleidet, um der gewünschten klaren Formensprache zu entsprechen und die Strukturen zu ordnen. Die glatte Fläche bildet einen ruhigen Kontrast zur expressiven Rippendecke und fasst diese gestalterisch ein.
Um den vorhandenen Raum vollständig wirken zu lassen und den freien Blick über Stuttgart nicht einzuschränken, wurden transparente Glastrennwände zwischen den Büroräumen eingesetzt. Die unterschiedlichen Materialien verdeutlichen die klare Trennung zwischen Primär- und Sekundärstruktur, zwischen tragenden und nichttragenden Bauteilen. Durch die Verwendung einheitlicher Elementgrößen können die Glaselemente bei zukünftigen Umbauten problemlos wiederverwendet werden.
Auch bei der Küche lag der Fokus auf Zirkularität: Ein eigens entwickeltes, modulares System aus gesteckten Edelstahl-Rechteckrohren und passenden Verbindern ermöglicht eine flexible Ausfachung mit Korpussen und Küchengeräten – und ebenso eine unkomplizierte Weiterverwendung an anderer Stelle.
Die bewusste Entscheidung, mit den Mitteln des Bestands zu arbeiten, trägt maßgeblich zur Ressourcenschonung bei und ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig konnten ökonomische Ressourcen eingespart werden, was die langfristige Vermietung zu attraktiven Konditionen ermöglicht.
So entstand ein authentisches und stimmiges Ensemble aus zirkulären Materialien, Neu und Alt, angemessen für eine moderne Mietfläche in einem Hochhaus mit Blick über Stuttgart.
Fotos: Stefan Hohloch
